Kritische Essays

2016 - Galleria L’Attico, Roma
"Kunst, die nicht verbrannt werden sollte” von Fabio Sargentini

Das Leitmotiv dieser Ausstellung ist das Holz, das von allen teilnehmenden Künstlern als Hauptmaterial benutzt wurde. Das ist nicht von besonderer Originalität. Es ist hingegen der Titel, der Neugier wecken soll: Kunst, die nicht verbrannt werden sollte. Setzen wir ein Ausrufezeichen hinzu, könnte man ihn als Warnung interpretieren: Wagt nicht , Kunst zu verbrennen!
Jedes hier ausgestellte Kunstwerk hat seine Geschichte:
Die Ausstellung wird von der Luke eines afrikanischen Getreidespeichers eröffnet, einem Gebrauchsgegenstand der Dogon in Mali. Es handelt sich jedoch um auch ein Kunstwerk von hoher symbolischer Ausdruckskraft. Ich habe es in meiner Ausstellung an einer Wand angebracht und seine ursprüngliche Verwendung zu respektieren. Ich kaufte es, bevor ich zurückfuhr, vor 30 Jahren in einem Antiquariat für primitive Kunst auf der Rue de Seine mit den Franken, die ich noch in der Tasche hatte. Ohne lange nachzudenken bezahlte ich mit ihnen jene Luke mit den spitzen Brüsten, die mich im Schaufenster fasziniert hatten. Im Taxi in Richtung Gare de Lyon und später im Zug , mit einer Hand den Koffer haltend und die Luke gegen die Brust gedrückt … noch heute spüre ich die Härte der Brüste auf den Rippen, immer noch glücklich, sie zu besitzen.
Meterora von Nunzio ist aus dem Jahr 1986, ein für den Bildhauer wichtiges Jahr. Der große Erfolg, den er drei Jahre zuvor mit einer Reihe von Gipsskulpturengehabt hatte, war daran, sich zu verflüchtigen. Er musste neues Material und andere Techniken ausprobieren . In dieser Zeit waren wir in Paris beim Festival d’Automne , zu dem Nunzio und Pizzi eingeladen waren. Ich schlug Nunzio vor , das Musée de l’Homme zu besuchen. Ich kannte die Sammlung der schwarzafrikanischen Kunstwerke und wusste, dass ein Besuch dort für ihn lehrreich sein würde. So kam es, dass in seinen Werken das Holz und später das Blei den Platz des Gipses einnahm. Meterora ist genau damals entstanden. Es ist eine Skulptur, die nicht vor einer Wand steht wie die Gipsfiguren, die alle im Verdacht standen, Salamander zu sein Sie füllt sie den Platz um sich herum aus, rund, in Kreisform, dennoch braucht sie die Wand als Schutz hinter sich. Die breite und spitze Form erinnert an ein Schild, oft bei Nunzio präsent , und steht in einem erstaunenswerten Gleichgewicht trutzig auf der Basis. Auf der Oberfläche sind heute noch Spuren von Farben zu erkennen , die dazu dienen sollten, die Figur zu verschönern, später jedoch in den angekohlten Bildwerken verschwanden.
Von Hidetoshi Nagasawa stelle ich die Pastorale aus dem Jahr 1974 aus, einen Hirtenstock im Halbrelief. In den vielen Jahren habe ich mich niemals von ihm getrennt. Für mich ist Der Stock ein Geschöpf, ein Kamerad meiner Wege. In den 90er Jahren war ich mit Hidetoshi zusammen in Japan, der im Museum des „Mito“ ausstellte und ich hatte ihm einige Skulpturen geliehen. Am Abend der Eröffnung , während des Abendessens fragte mich mein Gegenüber, der Japanische Kritiker Minemura, total unvermittelt:“ Du behältst den Einbaum, die Luke und den Stab von Nagasawa das ganze Leben lang in deinem Besitz?“ Die Frage war für mich so überraschend, dass ich nur heute eine Antwort geben kann: Gewiss, die drei Kunstwerke sind noch bei mir. Und ich werde sie nie aus der Hand geben!
Das Triptychon von Pizzi Cannella aus dem Jahr 1991 gehört zu einer unwiederholbaren Reihe von Gemälden auf Holztafeln. Es sind ungefähr 15, die in zwei Wochen in einem schöpferischem Wahn geschaffen wurden. Folgendes war passiert: Pizzi , tief beeindruckt von den Luftaufnahmen aus dem Golfkrieg, die über das Fernsehen gesendet wurden, hatte momentan den Pinsel weggelegt und einen indirekten Kontakt mit dem Bild gesucht. Als ich ihn in seinem Atelier besuchte, sagten mir diese Werke gar nichts. Ich erklärte ihm das mit jener Ehrlichkeit, die zwischen uns herrscht. Aber das bedeutete auch, dass wir ein nicht kleines Problem lösen mussten. Seine Ausstellung im Attico war bereits bekannt gemacht worden. Was also tun? Am nächsten Morgen habe ich ihn angerufen: „Pizzi, heute Nacht hatte ich einen Traum. Das Attico war überfüllt mit Bildern von deinen Kleidern in allen Räumen …“. Gesagt getan. Pizzi, auf offenem Felde angegriffen, wird konkret. Anstelle der Leinwand benutzt er Holztafeln , auf denen die Ölfarben schnell trocknen . Seine Arbeit ist konkret , zynisch , beseelt und in zwei Wochen ist alles fertig und die Ausstellung kann losgehen. Noch nach 25 Jahren bestätigt das Triptychon diesen Augenblick des Wunders.
Zwei Dinge haben mich veranlasst, Balkenhol auf die Ausstellung zu bringen. Erstens seine Fähigkeit mit Holz umzugehen, aus dem fast alle Werke sind, zweitens ist sein Name noch nie im Attico aufgetaucht, obwohl er ein Künstler von internationalem Ruf ist. Der Umgang Balkenhols mit dem Holz ist auf respektlose Weise antimanieristisch. Wie es auch sein Landsmann Baselitz mit seinen Köpfen aus Holz ist. Deutsche expressionistische Schule, die anders ist als jene polierte Südtiroler der (Brüder?) Demetz. Balkenhols Anliegen besteht darin, eine hölzerne unebene und deutlich schuppige Oberfläche zu erhalten, die jedoch immer ausdrucksvoll ist, wie in dem Bild auf der Ausstellung , das das Antlitz eines Mannes hinter einer schwarzen Kulisse zeigt, der die Augen aufreißt , als wollte er sich fragen:“ In welcher Galerie befinde ich mich eigentlich?“
Mich begeisterte die Idee, einen bengalischen Tiger auf der Bühne des Theaters zu haben. Als Puxeddu mir mitteilte, was er zu schnitzen vorhatte, habe ich seine Idee unterstützt, ja ich habe ihn sogar vorgeschlagen, den Tiger zusammen mit einem Tigerjungen auszustellen, so dass die Unbeweglichkeit der Skulptur sich auflockerte und es so aussehen würde, als ob die beiden über die Bühne schritten. Leider war es eine Enttäuschung, denn es wurde uns beiden bewusst, dass die Arbeit bis zur nahestehenden Ausstellung nicht beendet werden konnte. Also, was konnte man in dem kurzen Zeitraum tun? Da habe ich mir gesagt:“ Die Anaconda von Puxeddu ist während der Ausstellung Serpentopoli vor zwei Jahren vor dem Bild von Colazzo auf der Erde gekrochen, wie wäre es, wenn sie dieses Mal sich von einer weißen Nebenwand auf die kleine Bühne werfen würde ?“ Die Lösung war gefunden und war genauso Aufsehen erregend wie es die beiden Raubtiere auf dem Jahrmarkt gewesen wären.
So hatten alle Stücke ihren Platz gefunden wie die Holzschrauben jener Baukästen aus vergangenen Zeiten, die zum Schluss ein Modell enthüllen: das der Ausstellung.

2015 - Palazzo Cesarini Sforza, Genzano
"Über dem Erd- Horizont" von Giovanna dalla Chiesa

Die Mythologie hat immer Recht: wie der ganze Weltraum ist auch unser Planet aus der Zerstörung eines einzigen Körpers entstanden, der - wie uns die Erzählung von Dionisio Zagreo überliefert – von den Titanen zerstückelt wurde, oder - wie in anderen Versionen - von den Furien oder Mänaden.

Ein Augenblick des Glücksgefühls sich im Spiegel zu bewundern, Belohnung für die eigene Vollkommenheit, aber dann das Massaker , in der die Zusammengehörigkeit geopfert wird. Aber Jupiter bestraft die Titanen, die von ihm in Asche verwandelt werden. Aus dieser Asche entstehen dann die Menschen und das bedeutet, dass die Welt nicht mehr unmenschlich und chaotisch ist, sondern menschlich und überschaubar. Wenn man heute die Welt von den modernen Satelliten aus betrachtet und schaut sich von oben die verschiedenen Kontinente an, die einmal eine zusammenhängende Oberfläche bildeten, wird man noch immer an den in den Meeren verankerten , schaukelnden Riesen erinnert.

Mit anderen Worten also, die Identifikation des menschlichen Körpers mit dem der Erde , der Opferhandlung zu Gunsten der Verkleinerung und Vermenschlichung , ist in Luigi Puxeddus Werken nicht erkennbar: wir finden bei ihm hingegen eine Annäherung an jene Erde „zwischen den Zeiten“ , in denen der Mensch noch nicht existierte und Erde und Himmel noch zusammen gehörten, Epoche jener „Urwesen“, die wir als Dinosaurier kennen.

Die Sehnsucht nach Einheit wird hingegen als unbeständige Dimension des Augenspiels ausgedrückt, das ständig in Bewegung ist und verschiedene Ziele berührt: bei Fosco Valentini ist es die senkrechte kosmische Achse, auf welche sich seit immer die menschlichen Abenteuer und die Erfindungen in Technik und Wissenschaft beziehen, und bei Luigi Puxeddu ein Eintauchen in die befremdliche und ungestüme Kluft des Unbewussten ( des Vorbewussten oder der Vorgeschichte), in der man sich nur bewegen kann, wenn man sich auf den Weg zurück macht, um die Wurzeln zu finden, in denen jede Wirklichkeit ihren Ursprung hat, auch die der menschlichen Existenz. Beide Künstler experimentieren mit der Zerstörung des Sicheren, der Dezentralisation und der Bestürzung, die keinen sicheren Blick voraussetzt, uns jedoch ein die Möglichkeit bietet, Überraschungen und Wunder zu erleben.

Indem Puxeddu das Tier in den Mittelpunkt seiner Werke stellt, hat er den Betrachters davon entfernt, Räumlichkeiten ohne Leben zu bewundern und seinen Blick wieder auf die Vertiefung in fantastische Bilder zu lenken, die ohne „wenn und aber“ in diese Ausstellung gekommen sind. Die symbolische Rolle eines Tieres als traditionaler Vermittler zwischen Erde und Kosmos hat den Menschen an den Rand gerückt und ihn gezwungen, sich in den Außenbezirken des Raumes zu bewegen. Das Tier ist mit seinem ganzen Gewicht sichtbar “in den Teich“ gefallen und hat den Menschen an die Seite gespült.

Es gibt jedoch noch den zweiten Prozess zu beachten, ohne den dieser Rollentausch nur ein gewaltsamer Angriff wäre: nämlich die Art, mit dem Material umzugehen, d.h. die Reduzierung der Materialblöcke in Schichten, die die Oberfläche bilden, auf der Bild und Form erscheinen.
Die Arbeit von Puxeddu mit zusammengepresstem Holz besteht darin , dass er mit der elektrischen Säge die Grenzen der verschiedenen Schichten heraus profiliert und dann mit Rot abtönt , einer Farbe , die die Ecken und unebene Stellen weich macht, in denen noch die Zeichen des Bleistifts , mit dem die Form herausgearbeitet wurde, zu erkennen sind. Das außergewöhnliche Gewicht der Skulpturen wird auf diese Weise allmählich soweit verringert, dass das Skelett des Tieres erkennbar wird und das riesengroße Format sich auf die Dimension eines Grafits verkleinert.

Das Ergebnis erinnert an das „Alphabet“, in der jedes Glied einen Urtyp darstellt, welcher mit dem direkten Artikel benannt ein Prototyp seiner Art wird. Der Übergang von der dritten Dimension der Bildhauerei zur Zweidimensionalität der Malerei ist also ein ganz natürlicher Vorgang. Puxeddus Dinosaurier sind Produkte unsere Vorstellungkraft, die dank der modernen Technologie wieder ins Leben gerufen wurden und in der Lage sind, eine artifizielle Erinnerung dessen wieder herzustellen , was sich der menschlichen Erkenntnis entzieht. Wir könnten sie „genetisch modifizierte Lebewesen“ nennen, was paradox klingen mag, auch wenn wir an einen genetischen Ursprung des Lebens glauben, vor allem in der Fantasie.

Aus diesem Grund ergänzen sich die Arbeiten von Luigi Puxeddu und Fosco Valentini, auch wenn sie von gegensätzlichen Anschauungen herkommen. Sie durchdringen auf tiefste die Zeit des Umbruchs, in der wir leben und die nur durch große Distanzen „Sopra l’orizzonte terra ( Über dem Erd- Horizont)“ vollständig begriffen werden kann. Nur wenn man von diesen Grundsätzen ausgeht, wird es möglich sein, eine Zusammenschau und ein Gleichgewicht zwischen den einzelnen Instanzen zu finden. Nur wer Demut kennt, wird die unwahrnehmbare Drehung des Planeten Erde als einmalige Möglichkeit einer ständigen Bewegung verstehen im Gleichgang mit den eigenen Schritten auf unsere Erdkugel, auf welcher Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft eine einzige Einheit bilden.

2014 - Galleria Toselli, Milano
"Luigi Puxeddu” von Luca Tomìo

Die Werke von Luigi Puxeddu sind nicht sind zeitgenössisch, sie sind ältester Herkunft. Nicht nur für uns, die sie betrachten, sondern für die Menschheit schlechthin. Es ist unnötig, sie mit der prähistorischen Kunst zu vergleichen, mit Dürers Nashorn oder mit den Tieren von Franz Marc…. Seine Werke weisen weit zurück , weiter zurück als der älteste Vorfahre des menschlichen Geschlechts. Puxeddus Werke tauchen aus einer weit zurückliegenden Zeit auf , so unerwartet und außerhalb jedes Zeitgefühls , dass sie unsere Gesellschaft , die Zivilisation der Eile des gegenwärtigen und unehrlichen Menschen verblüffen.
Die von der Gegenwart so weit entfernten Werke Puxeddus zeichnen sich wie starre Klippen ab, sie scheinen Gebilde der Natur und nicht eines Menschen zu sein, wie das vom Meer abgenutzte und geglättete Holz an den Stränden am Ende der Welt. Wer diese Werke anschaut, bemerkt die augenfällige Dyskrasie , die Entfernung von Lichtjahren zwischen einem Kunstwerk und der sogenannten Kunst, die das „Star-System“ nachäfft. Kunst ist etwas anderes und die Werke von Puxeddu bezeugen , dass das einzige , was wirklich zählt, die in sich ruhende Harmonie eines Kunstwerks ist, Kunstwerk verstanden als Beginn einer neuen Menschlichkeit, die weder von der Egozentrik des Menschen ausgeht, noch diese nötig hat.
Es ist wichtig zu wissen, dass Luigi Puxeddu in einer Stadt arbeitet, in der man auch zufällig während eines Spaziergangs auf Meisterwerke von Michelangelo und Caravaggio stoßen kann. Puxeddu ist ihr Widersacher , ein „Antiklassist“, aber die Kraft, die er entfesselt, symbolisiert den Kampf des Menschen mit der Materie , und verdeutlicht dasselbe existenzielle Missvergnügen, dieselbe Lebensgefühl, das in der Materie nicht zu finden ist. Dieser Kampf ist aber dennoch stilistischer Ausdruck wirklicher Größe, besonders des Menschen , das heißt des Künstlers. Der wirkliche Künstler beschäftigt sich nicht mit den Kunstwerken sondern mit dem Sinn des Lebens. Und das bedeutet notwendiger Weise: die Kunst zu verleugnen, den Blick abzuwenden, Leerräume abzugrenzen, Sinnlosem Sinn zu geben. Dass Kunst eine intellektuelle Fähigkeit ist, wurde bereits während der Renaissance entdeckt. Nur viele haben das noch nicht bemerkt.
Das Außergewöhnliche in den Werke Puxeddus besteht darin, dass er sie nicht in Szene setzt, dass er die Leerräume nicht ausfüllt. Sie ist jene „Sehnsucht der Romantiker“, jenes Verlangen nach Vollendung, das man nicht erreichen kann … Entschuldigt bitte , das kann respektlos klingen, aber meine Gedanken weilen bei Michelangelos „Gefängnissen“…. Ein Nahkampf mit einem schwierigen Material, der in Puxeddus Werken Spuren in Form von prähistorischen Tieren hinterlässt, deren Kraft jedoch jenseits dieser zufälligen Formen liegt, unverfälschte Zeichen eines Kampfes , der vor allem ein Kampf des Geistes ist.


2014 - Galleria Toselli, Milano
"Luigi Puxeddu” 
von  Franco Toselli

Eine Katze zu haben ist schon eine Ausstellung mit Animation.
Es folgt der Tanz des Kängurus.
Die Giraffe ist jenseits aller Dimensionen, auch für einen Hauptmast .
Der Tiger ist ein Rettungs-Floß im Falle von Seenot.
Das Kamel und das Nashorn passen gut zusammen.
Nach 200 ist das prähistorische Tier endlich wieder in der Galerie.
Nur Mario Merz hat den Wind geliebkost ( oppure? Der Wind hat nur Mario Merz geliebkost. )
Ohne Mensch ist die Natur nicht ertragbar.
Die Kunst sucht die Unendlichkeit, um nicht zu wachsen.
Die rote Farbe ist ein Zeichen und kein Tier wird verlorengehen.
Etwas Klarheit im Labyrinth der zeitgenössischen Kunst.
Die übertriebene Anwesenheit ist für die Kunst ein Minimum.
Dieses Wunder ist der visionäre Ausdruck von Luigi Puxeddu, der die Kindheit (Jugend?) mit dem alten Hirten aus Lascaux vereint. 

2014 - Galleria L'Attico, Roma
"Serpentopoli" von di Fabio Sargentini

“ Eine Kreuzotter ist unter den Rädern eines Autos ums Leben gekommen. Sie haben sie auf den Platz gebracht und alle Bauern haben sich um sie gescharrt. Aldo, der Schmied, ein Metermaß geholt und sie gemessen: fünfundsechzig Zentimeter , Und alle haben gesagt: wie lang ! Jemand hat gerufen: Ehi, vielleicht hat sie sich noch bewegt. Vor dem unbeweglichem Tier läuft mir ein Schauder den Rücken runter. Ob auch den anderen, weiß ich nicht. Unbeweglich, aber noch voller Kraft“.

Diese kurze Prosastück aus meiner Erzählung „Perlenfischer“ lässt gut erkennen, was ich fühle , wenn ich mich direkt gegenüber von einer Schlange oder einem andern Kriechtier befinde: die Angst vor dem Gifr und der Abscheu vor einem Kriechtier ohne Wirbelsäule, das sogar in meine Körperhöhlungen kriechen könnte. Aber abgesehen von Angst und Ekel empfinde ich zwangsläufiger Weise eine geheime Anziehung zu diesen Tieren, denn als Kunstsammler habe ich von je her in der Schlange ein fesselndes Objekt gesehen.. Gewiss zieht mich nicht das an, was das Tier symbolisiert , seine unterschiedlichen Bedeutungen, im Guten und im Bösen, Versinnbildlung des Lebens und des Todes. Davon verstehe wenig oder gar nichts.
Das Thema einer kollektiven Ausstellung entscheide ich auf der Basis der Zahl der Kunstwerke, die ich bereits zu diesem Argument habe. Diesmal reichte eine Bestandaufnahme aus dem Gedächtnis aus, die mir sagte, dass ich schon fünf besitze. Die anderen sieben mussten also geschaffen werden. Und ich habe damit entsprechend viele Künstler betraut.

Auf dem Bild von Brauner „la Maman du Poete“ ringelt sich eine kleine Schlange auf dem Kopf der Mutter des Dichters. Brauner ist übersinnlich, mit Symbolen weiß er umzugehen. Was will er sagen? Das die Schlange den Ursprung der Dichtung überwacht? Das Bild des anderen Surrealisten , Magritte, stellt in Wirklichkeit keine Schlange dar, sondern eine schwarze kurvenreiche Form, die in eine andere starre und schwarze Form rutscht; in dieser verschwommenen Durchdringung taucht sogar ein kleines menschliches Bein auf. … Der Titel des Kunstwerks „ La lutte immobile ( der unbewegliche Kampf)“ ist meiner Meinung nach das Sinnbild eines jahrelangen Kampfes zwischen Vater und Sohn.

Im selben Raum ist ein Gemälde ausgestellt , das Di Stasio für die Ausstellung gemalt hat. Wieder handelt es sich um ein Sinnbild: das Schlänglein, das sich um den Stab ringelt, symbolisiert die Medizin, wie mir gesagt wurde. Di Stasio ist Illusionist. Die Gestalt in der Mitte hält den Stab mit der einen Hand, während sie die andere auf eine Weise vorstreckt , als ob deren Finger eine zweite Schlange herrufen wollten zusammen mit dem Schatten, die Komplize ist.
In der Mitte der Bühne des Theaters finden wir das senkrechte Gemälde von Frongia , auch dieses für die Ausstellung gemalt. Eine Riesenschlange windet sich um einen nackten Baumstamm und streckt sich gegen ein geschlossenes Fenster. Man fragt sich: ist der Raum geschlossen oder handelt es sich um einen offenen? In diesem Bild ist der Raum gefährlicher als die Schlange selbst.

Von zwei Bildhauern hatte ich bereits die Skulpturen. Die Schlange von Capitano hängt mit dem Kopf nach unten von der Decke. Ihr Kopf ist aus Mamor, der Körper aus Sackstoff . Das Tier ist bis zum geht nicht mehr ausgestreckt , als ob es vom Baum herunter die gespaltene Zunge aus Metall einer virtuellen Beute entgegenstreckt. Kurvenreich und zuckend präsentiert sich hingegen die hölzerne Anakonda von Puxeddu. Sie kriecht am Boden, berührt die Fersen der Besucher und schreckt sie spürbar auf. Sie scheint lebendig!

Auch Colazzo hat ein Bild eigens für die Ausstellung gemalt. Aus einer dunklen Zone am unteren Rand schlängeln ich mehrere Schlangen oder ähnliche Tiere tanzend hervor und streben zu dem oberen Teil des Bildes, der immer heller wird. Ein Tribut an die Morgenröte nach einer lange andauernden Dunkelheit.
Die Arbeit von Ragalzi besteht in einem Türflügel von beiden Seiten anschaubar. Neben auf hervorragende Weise bemalten Teilen befestigt er „ready made“: einen Fensterladen, ein Hemd, einen Leguan. Ragalzis bester Teil saugt Lebenssaft aus einer existenziellen Wahrheit.

Sini ist ein zum ersten Mal unter den Malern des „Attico“ vertreten. Seine Technik: kleine Punkte, sein Stil : präzise und übergenau. Das, was er gemalt hat, erzeugt einen optischen Effekt von leeren und vollen Räumen: das Labyrinth der Kobra.
Das Gemälde „Tantra“ aus dem 18.Jahrhundert bringt einige kleine Schlangen und eine Reihe von Feldern, die wie im Würfelspiel des „Gänsemarsches“ angelegt sind. Auf der oberen Seite des Bildes findet man Gebäude im typisch orientalischen Stil mit kleinen Türmen und Spitzen. Der Name der Ausstellung „Serpentopolis“ kommt von dort.
Ontanis Bild befindet sich im Eingang. Sein kleiner Medusenkopf ist die dramatische Eintrittskarte zur Ausstellung. Luigi Ontanis Gesicht , hier einmal nicht zu erkennen, verzerrt sich zu einer tiefgründigen Grimasse . Der Mund ein offenes Loch, vor dem die verwirrten Insassen des Schlangennestes auf dem Kopf beben.

Als letztes habe ich die Arbeit von Pizzi Cannella übriggelassen. Es ist kein Gemälde auf Leinwand , sondern eine Verbindung von „tableau vivant“ und echter Malerei. Die Schlange verschwindet und erscheint wieder auf der Rückseite, auf Sonias nacktem Rücken, so als ob sie sich auf ideale Weise um ihren ganzen Körper gewunden hätte. Diese Vorstellung kompensiert im Zuschauer die Unvollständigkeit des Bildes.
Plötzlich kommt mir der Refrain eines Liedes, das Pino Pascali sang, in den Sinn:“ Ich bin wie eine Schlange, jedes Jahr wechsle ich meine Haut, aber ich werfe sie nicht weg, sondern mache alles daraus.“

2012 - Galleria L'Attico, Roma
"
Das Zusammenmontieren des Attraktionen” von Fabio Sargentini

Einen Titel für eine Ausstellung oder ein Theaterstück zu finden, ist eine Aufgabe , die mehrmals im Jahr mit angenehmer Erregung auf mich zukommt.
Ein perfekter Titel braucht seine Zeit , bis er sich offenbart.

Es kann sein, dass er sich spontan präsentiert wie eine verkarstete Wasserader, die - dank der Spitze meiner Wünschelrute - hervorsprudelt. Öfter jedoch kommt ein guter Einfall nicht sofort ans Tageslicht. So war es diesmal bei der Montaggio delle Attrazioni (dem Zusammenmontieren von Anziehungskräften).

So definierte der Filmproduzent Sergej Ejzenstejn den Prozess der Zusammensetzung seiner Filmbilder zu einer harmonischen Sequenz. Und abgesehen davon , dass das Kino andere Strukturen voraussetzt - ist diese Ausstellung nicht auch ein Suchen nach Spannungskräften zwischen den einzelnen Kunstwerken, besonders zwischen den Gemälden und Skulpturen ? „ Die Ausstellung ist montiert“, das habe ich am Ende der Vorbereitungen zu mir selbst gesagt . In diesem Augenblick , während ich die anderen möglichen Titel vom Tisch fegte, kam mir Ejzenstejn wieder in den Sinn.

Es stimmt auch, dass die Art wie eine Ausstellungen eingerichtet ist , nicht dieselbe sein kann, wenn diese selbst als neuer künstlerischer Ausdruck verstanden werden soll. Sie wird zum „Feigenblatt“ der bequemen Täuschung , in der viele überzeigende Künstler ihre Zuflucht suchen. Man darf jedoch nicht verleugnen, dass sie ( die Ausstellung) die Vorstellung vom Raum veredelt, ihn vom einfachen Behälter zum Kunstwerk aufwertet, das seinen Ursprung im ausgeglichenen Zusammenspiel die einzelnen Elemente hat.
Das ist der Grundgedanke, der mir hilft Theateraufführungen und Ausstellungen vorzubereiten.

Jetzt wird es Zeit die fünf Ausstellungsräume zu betreten. Jener , wo Di Stasio ausstellt, scheint wirklich eine Schachtel zu sein, in der zwei Gemälde aufeinandertreffen : ein riesengroßer nackter Wanderer mit seinem Stock , der über eine nächtliche Stadt ragt und dann derselbe Riese als Zwerg, als ob man ihn durch ein umgekehrtes Fernrohr sähe. Die auf manieristische Weise figurative Arbeit von Di Stasio eignet sich bestens ist für solche Zaubertricks.

In dem Raum daneben zweimal ein Gemälde von Stalin von Del Giudice. Eines der beiden, in Grautönen mi rosa und grünen Pinselstrichen dazwischen, zeichnet den russischen Diktatoren mit seinem Schnurrbart und den eiskalten Augen auf der Höhe seiner Macht, während er auf dem anderen in braunen Farbtönen gehaltene Bild auf dem Rücken daliegt , einbalsamiert, die Augen für immer geschlossen. Ich schwöre , dass jede Beziehung zur Gegenwart rein zufällig ist.
Und weiter zum Saal, wo ich Kounellis und Name June Paik untergebracht habe, beide zum Kerzenschein eingeladen.

Das Werk von Kounellis ist eine an der Wand hängende Metallplatte mit zwei Wandschränkchen: auf dem unteren befindet sich ein kleiner Zug, auf dem oberen brennt eine Kerze. Man fühlt sich entfernt an De Chirico und vielleicht auch an Magritte erinnert. Jannis fühlt tiefst metaphysisch und surrealistisch. Das ist eine Tatsache. Er belebt in diesen Jahren, um 1970, diese philosophischen Neigungen wieder und zwar mit einfachem Material. Und mit poetischem Erfolg! Einige Meter entfernt befindet sich der vom koreanischen Künstler Name June Paik ausgeräumte Fernseher, in welchem eine einsame Kerze brennt. Das aufdringliche und meist benutzte Utensil zur Massenverbreitung, das es je gab, erhält eine Seele , wird Geist. Es wird ein Symbol des Zen. Wer konnte so etwas herstellen, wenn nicht ein Mensch aus dem Orient?

Im vorletzten Raum angekommen befinden wir uns in Indien. Wir treffen auf einen Schlangenbeschwörer und eine Kobra die sich tanzend zu ihm vorstreckt. Es handelt sich um ein Bild von Ontani , auf dem er als junger Mann als Gott Krishna mit seiner Flöte die Tiere des Waldes zu sich lockt. Ich sah dieses Bild seit Jahren nicht, es ist mit Würde alt geworden wie der Künstler. Die Kobra ist Puxeddus letztes Werk. Erinnert ihr euch an seine Ausstellung im letzten Jahr von Tieren, die alle rot waren? Jetzt hat er das märchenhafte Rot hinter sich gelassen , seine Tiere werden realistischer. Was beeindruckt, sind die Beweglichkeit des Holzes und die Elastizität der Windungen des tanzenden Tieres.

Zum Schluss im kleinen Theater das Aufschrecken: sechs gemalte Kleider , drei schwarze und drei weiße richten sich wie Hauptdarsteller auf. In dieser dreidimensionalen Ausführung enthüllen die Kleider von Pizzi Cannella noch stärker ihren geisterhaften Charakter. Wir schauen sie an und scheint so , als ob sie dasselbe mit uns machen. Wer ist Zuschauer, wer Darsteller? Malerei, Theater und Leben vereinen sich in einem einzigen Atemzug.

2012 - Galleria L’Attico, Roma
“QUATERNA” von Fabio Sargentini

Vor einigen Tage machte ich einen Zwischenbericht über die zur Zeit laufende Saison im Attico und da ist mir zum Bewusstsein gekommen, dass ich nur eine einzige Ausstellung auf dem Programm habe. Im Oktober hatten wir die auf zwei Abende verteilte vollständige Lesung von Virgils Eneide , in die acht Schauspieler auf der Theater vor Di Stasios Bühnenbild involviert waren. Im Januar gab es zwei Monate lang die Ausstellung Montaggio delle Attrazioni , auch diese in gewisser Hinsicht eine Theatervorstellung , vor allem dank der brennenden Kerzen ( Kounellis, Nam June Paik) und jene von Pizzi Cannella gemalten Kleider , die sich auf dem Parkett befanden, als wären sie Zuschauer. Und zum Schluss Amlieto, ein Theaterstück von mir und Elsa Agalbato, das nach den Aussagen der Kritiker und vielen von euch, die es gesehen hatten, sehr gut gelungen war.
Ich brauchte also, um die Saison sinnvoll und mit Anstand zu schließen, eine zweite Ausstellung. Ich dachte dabei an die jungen Künstler, die ich seit einigen Jahren unterstütze. Haben sie weitergearbeitet? Eine Sache ist klar: in der Zeit, in der wir leben, reicht nicht nur das Talent – und sei es noch so augenfällig – um sich einen Namen zu machen. Dennoch darf man nicht verleugnen, dass Capitano, Montani, Picozza und Puxeddu, zwei Maler und zwei Bildhauer , auf den Feldern einer virtuellen Tombola eine „Vierergruppe“ von guter Qualität darstellen.
Vor Jahren wandte sich die Redaktion der Zeitschrift Flash Art an ungefähr fünfzig Kritiker der modernen Kunst und Fachleute des Bereiches mit der Aufforderung fünf der besten italienischen Künstler der letzten fünfzig Jahre anzugeben, das heißt die nach der Generation von Burri und Fontana gearbeitet haben. Das Ergebnis war, dass in der ausgewählten „Fünfergruppe“ sich drei befanden, die durch mich bekannt geworden waren: Abgesehen von Manzoni und Boetti wurden Pascali, Kounellis und De Dominicis genannt.
Die zeitgenössische Kunst ist das einzige Glücksspiel, auf das ich mich in meinem Leben eingelassen habe. Aber es handelt sich um ein kalkuliertes Wagnis. Und es ist nicht schlecht, dass ich bis heute drei von fünf richtig bewertet habe.

2011 - Prima Personale - Galleria L'Attico, Roma
"Luigi Puxeddu" von Marco Tonelli

Tonstatuetten, die Götter oder Halbgötter darstellen, wurden im Altertum rot bemalt.
Wie Winckelmann uns erinnert, wurde auch Pan bei den Indern in dieser Farbe gefärbt.

Die ersten menschlichen Skulpturen wurden von Dädalus aus Holz hergestellt ( oder, wie uns Pausanius erzählt, wurden sie „dädali“ genannt). Hölzerne Skulpturen gab es auch bei den alten Ägyptern und Griechen, darunter auch Abbilder von Tieren in verschiedenen, mehr oder wenigen realistischen Ausführungen: die Löwen von Delos, Pferde aus Bronze, die römischen Wölfinnen, die etruskischen Chimären, die geflügelten Stiere aus Assyrien, die Sphinxen und Katzen aus Ägypten.

Luigi Puxeddu ist also nicht der erste und wird sicherlich auch nicht der letzte Künstler sein, der Tiere kreiert, sie aus Holz schnitzt und rot anmalt. Aber er ist sicherlich der erste, der alle drei Dinge zusammen macht.

Auch im 20. Jahrhundert hat die Tradition von Tieren in der Bildhauerei nicht gefehlt: von Brancusis Vögeln und Calders Spinnen , von den Hunden Giacomettis, bis hin zu Pascalis Walfischen. Die Produkte von Puxeddu, alle aus Holz geschnitzt, (Wittikower definiert die Schnitzerei „ Läuterung, ein Akt der Purifikation, eine moralische Pflicht) und mit rotem Kadmium gefärbt, stellen Tiere dar, (abgesehen von einer menschlichen Gestalt und der Gruppe Springer (Pferd) – Turm, von denen ich weiter unten sprechen werde) und sind alle archaische Geschöpfe, auf herausfordernde Weise antik. Sie zeigen jene Aggressivität und jenes Verhalten, das typischer Weise von einem Tier ausgeht, wenn es sich in einem geschlossenen Raum bewegt, egal ob es sich um ein Haus oder eine Kunstgallerie handelt.

Es handelt sich um Skulpturen, die geschaffen wurden, um Skulpturen zu sein, ohne Kompromisse : aus Holz geschnitzt und in natürlicher Größe. Zwischen diesen befindet sich ein Mann, nein, der Mann (das letzte Werk der Ausstellung war „notwendig“, damit sich die Tiere nicht ohne Unterbrechung endlos aneinanderreihen): der Mann, der die Tiere imitiert, indem er die Zeigefinger an seine Stirn hält, als wären es kleine Hörner, und - kaum angedeutete - tänzerische Schritte macht. Ein Satyr, also ein möglicher Faun, ein Pan, Geschöpfe, die perfekt mit der Natur im Einklang stehen und wie die Zentauren, Sirenen und Harpyien halb Mensch und halb Tier sind. Der Mann von Puxeddu ahmt also die Tiere nach und zugleich auch die Faune und Satyrn.

Er ist also ein Mann der Bühne, ein Mime, ein Tänzer (und hat außerdem Ähnlichkeit mit dem Bildhauer) , der sich unter die Geschöpfe begibt, die sich alle irgendwie ähneln, um sich mit ihnen zu identifizieren; er, der Mann, der als letzter geschaffen wurde, um „ sich die Fische im Meer, die Vögel in der Luft, die Tiere auf den Weiden und in der Wildnis , die auf der Erde kriechenden Echsen, untertänig zu machen“ , wie es in der Genesis geschrieben steht.

Ich habe Puxeddu gefragt, warum er gerade diese und nicht andere Tiere ausgesucht hat. Seine Antwort war: einige, weil sie mich auf atavistische Weise terrorisieren, einige weil sie mich an Wappentiere erinnern, andere weil ich sie lebend gesehen habe und sie mich besonders fasziniert haben und einige, weil sie sich als Skulpturen eignen. Dann ist da noch die Zweiergruppe, in der das Pferd ( der Spriner) wie im Schachspiel einen Turm angreift, ( um ihn zu schlagen?) ….

Aber nicht die Ideen, die hinter den Werken stehen, sind ausschlaggebend, sondern ihre Wirkung. Wenn es stimmt, dass – wie Carandente schreibt – der Humanismus - wie schon der Name unterstreicht - nicht die Abbildung von Tieren pflegte , zeigt Puxeddu jedoch in seinen geschnitzten Werken einen archaischen Humanismus , der auf seine Art, Tiere darzustellen, höchst aktuell ist. In seinen Werken versteckt sich nicht die Arbeit des Künstlers sondern sie wird hervorgehoben , schon wegen des roten Kadmius, das die Werke einhüllt und ihre Wärme,

Dimensionen und Besonderheiten unterstreicht - wie auch das Holz, das als Basis dient , selbst der Natur angehört . Man sollte nicht die Eigenschaften des Materials hervorheben, sondern das, was der Bildhauer daraus gemacht hat, um zu einer plastischen Figur zu gelangen. Deshalb kann man sowohl von einer „menschlichen“ wie auch „tierischen“ Zentralität des Kunstwerks sprechen, von der Schnitztechnik und der Gestaltung von Lebewesen , die auch in ihrer spezifischen wie idealen Qualität einen Wert haben, der mehr bedeutet, als sich nur zu tarnen. Das ist auch der Grund, warum ich anfangs von der reinigenden und puritanischen Qualität des geschnitzten Kunstwerks gesprochen habe.

Es handelt sich also um Skulpturen, die versuchen, sich mit anderen, in ihnen erkennbaren Gebilden zu synthetisieren. Deshalb heißt es nicht ein Rentier, sondern das Rentier, nicht ein Wolf, sondern der Wolf, nicht ein Mann, sondern der Mann, und so weiter. Das erklärt auch warum das Pferd ( der Springer) den Turm angreift ( um ihn zu schlagen?). Es handelt sich um zwei Schachfiguren, eine Allegorie von Springer und Turm, die da stehen, um einen Symbolwert und nichts anderes zu hervorzuheben, denn wie kann ein Pferd einen mit Zinnen gekrönten Turm bespringen?
Die Skulpturen von Puxeddu sind Götzenbilder in einem Pantheon, in dem es keine Götter mehr gibt.

1504 hat Pomponio Gaurico geschrieben, dass die aufrechten Statuen der antiken Götter eidola oder simulacra genannt wurden, und der Helden xoàna, die der Könige andriantes, die der Gelehrten eikela und die der rechtschaffenden Menschen brétea. Die Darstellungen von realen Gesichtern und Körpern hießen ekmagea, wenn es sich um lebensgroße Skulpturen handelte, wenn sie kleiner waren signa und die ganz kleinen sigilla.

Es wird nicht schwer fallen, die Skulpturen Puxeddus, die aus einer archaischen Tradition kommen, in ein künstlerisches System einzuordnen und sie als modern und zeitgenössisch zu bezeichnen.

Schwieriger könnte es sein – jedoch nicht unmöglich – sich vorzustellen, welches die nächste Skulptur sein wird in dem Gefüge von Kreationen , die in Puxeddu ihren Urschöpfer sehen , der heute angefangen hat, seinen persönlichen Garten Eden zu bauen, in dem mit der Erschaffung von Tieren begann und einen Menschen folgen ließ… 

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